Wie das eben so ist: Man schlurft über den roten Teppich und ist total abgelenkt von dem wilden Fuchteln und Rufen der Fotografen die den Rand der Absperrung säumen. Man dreht sich um, grinst doof in die Kameras und schon spürt man einen Ellenbogen in der Seite und strauchelt beinahe dem erst besten Knipser in die Arme. Geschickt schaffe ich es gerade noch das nächste Objektiv zu verfehlen und nicht komplett wie ein stolpernder
Vollholp auszusehen... »Welcher Depp?« sag ich so zu mir als ich mich umdrehe und bemerke, dass ich eben von Frau Glas und ihrem Lebensgefährten um ein Haar vom Red Carpet gekegelt worden wäre. Und das obwohl ich heute doch sogar auf mein Godzilla-Kostüm
verzichtet habe. Sauber. Auf dem Laufsteg der Eitelkeiten herrschen offenbar raue Sitten und so revanchiere ich mich indem ich penetrant hinter den beiden im Blitzlichtgewitter stehen bleibe und dumme Fratzen mache.
[Anmerkung: Ganz offensichtlich war der Schubser von Frau Glas vollkommen unbeabsichtigt, da sie sich wohl für die Fotoattacke entsprechend in Position stellen sollten, aber wer von euch will hier sowas schon lesen? Eben. Also.]

Bereits beim Empfang jedoch war ich ganz froh über meinen ersten Zusammenstoss, denn es stellte sich mehr und mehr heraus, dass ich keinen blassen Schimmer hatte, wer da jetzt aus Funk und Fernsehen bekannt sein sollte. Statt mit mir über die Projektarbeit zu reden, wurde penetrant auf das Thema »Kuck mal wer auch hier ist« gelenkt. Zwei mal wurde ich daraufhin dabei erwischt, dass ich Prominente aufgrund des bekannten Gesichts mit ehemaligen Schulkameraden verwechselte. »Wie? Nein Quatsch, der ist doch aus Forthaus Falkenau« aha, na von mir aus.

Als ich dann nach der Show neben Frau Cutterfeld an der Bar stehe, muss ich sie einfach fragen, ob sie tatsächlich live gesungen und Klavier gespielt hat. Schliesslich war das (im Vergleich zu den echt schrägen Killerpilzen - die dafür privat bestimmt supernett sind) tatsächlich ganz schön beeindruckend gewesen.
Ohne es zu wollen beginne ich also die Konversation mit »Ich hatte ja immer so das Vorurteil über sie, dass ihre Musik total grauenhaft ist...« was sie aber erstaunlicherweise nicht mit einer Ohrfeige quittiert, sondern mit interessierten Fragen zu meiner Tätigkeit beim Aufbau von
Schulen in Äthiopien. Es ist zwar immer doof lieb gewonnene Vorurteile über Bord werfen zu müssen, aber diese Frau war schlichtweg sympatisch und nach eigenen Angaben auch noch sehr begabt, da sie meinte, live gespielt und gesungen zu haben. Nachdem wir uns so nett unterhielten, musste ich sie natürlich fragen, ob sie nicht »Ich lese täglich MC Winkel« in die Kamera sagen wolle, aber da packte sie schon ihr Manager am Arm und weg war sie. Hmmm... vielleicht macht sie ja keine Werbung?
Während ich dabei zusehe, wie hungrige Prominente Oberkellnern mit Häppchentabletts hinterher flitzen, sehe ich wie einige Fotografen ihre Schnappschüsse von Uschi Glas auf irgendeinen Pressefoto-Server hochladen. Und siehe da: Kein Bild indem nicht ich inklusive verdrehter Augen oder sonstiger blöder Grimasse irgendwo im Hintergrund mit darauf bin. Ein voller Erfolg!
Ach ja, und dann war da noch Pit Weyrich, über den ich mich sehr gefreut habe ihn endlich mal wieder zu sehen. Leider nicht mehr als Moderator, sondern als Regisseur der Sendung. So ist das wohl: alle Guten machen einen auf Regie und nur noch Pfeifen moderieren mit Niedrigstniveau-Witzchen über Franjo Pooth. Ein Jammer! Jedenfalls hat er mich dann doch noch aufgeklärt ob Frau Cutterfeld da jetzt tatsächlich live gespielt und gesungen hat. Aber was soll ich sagen? Ich musste ihm versprechen hier nichts auszuplaudern...