Sodom und Camorra
Ob im Mezzogiorno oder in Südtirol, egal wo man in Italien mit dem Auto durch die Gegend fährt, überall sieht man hier und da eine Bauruine oder ein eingestürztes Gemäuer. Was für den Laien hier noch als Kulturgut der Antike durchgehen mag, ist zumeist ein Agrarbauwerk, dass aufgrund von Verordnungen und mangelnden Beziehungen zu nichts mehr genutzt werden darf. Ruckzuck wird zuerst das Dach undicht und nach einer weiteren Weile stürzt es schliesslich ganz ein. Hier und da beginnt Grünzeug heraus zu wachsen und zu wuchern, bis sich dann ein Tourist findet um das zauberhafte Rustico (Makleritalienisch für Bruchbude oder Ruine) für eine nicht nachvollziehbare Unsumme zu erstehen und um bei den "Behörden" nochmal eine spektakuläre Menge Moneten für Bestechung keine Ahnung was los zu werden.
Gut, man könnte nun sagen dass die halb zerfallenen Gebäude zumindest noch romantisch aussehen und einen gewissen erdigen Charme versprühen, doch dies lässt sich von den jüngeren Betonruinen leider nicht mehr behaupten.
Nun ist es so, dass das Genehmigungsverfahren für den Bau eines Hauses in Italien um einiges bürokratischer ablaufen als nördlich der Alpen. Ich weiss, klingt unvorstellbar, ist aber so. Dies hat natürlich seine Folgen, denn anstatt dass eben fast nichts gebaut würde, baut man einfach ohne eine Genehmigung. Anschliessend hofft man, dass der Schwarzbau so lange ungeahndet bleibt, bis er kurz vor den Wahlen nachträglich legalisiert wird. Quasi als Wahlwerbung, sozusagen. Fehlen einem dann die rechten Beziehungen, so wird die Fertigstellung des Rohbaus schlichtweg untersagt. Übrig bleibt ein Stahlbetonskelett dass vormals ein Einkaufszentrum werden sollte und nun als grauer Koloss und leidiger Vorgartenkulisse lustig vor sich hin rostet. (Sowas lässt sich auch nicht mal eben hinter Zitronenbäumchen verstecken)
Allerdings ist darauf, "die richtigen Leute" zu kennen auch nicht immer Verlass und so steht südlich von Carrara ein riesiger zehnstöckiger Rohbau direkt neben der Strasse. »Das steht hier schon 18 Jahre so rum und verdeckt die Sonne« sagt man mir. Damals gab es im Zuge der Fussball-Weltmeisterschaft massive Subventionen für den Bau von Hotels und die Mafia versuchte die Gelder durch solche Neubauten abzuzapfen. Nach einem überraschenden Wechsel in der regionalen Regierung stellte man fest, dass die nächste Sportstätte zu dem subventionierten Hotel ganze 150km entfernt lag und strich alle finanzielle Unterstützung für das Projekt. »Die Ruine ist zwar hässlich, aber sie ist ein grosser Erfolg im Kampf gegen die Camorra.« Aha, na super.
Der Beamte der Bauaufsicht, der die Gelder damals gestrichen hatte, starb übrigens kurz darauf... keines natürlichen Todes. Bella Italia!
Gut, man könnte nun sagen dass die halb zerfallenen Gebäude zumindest noch romantisch aussehen und einen gewissen erdigen Charme versprühen, doch dies lässt sich von den jüngeren Betonruinen leider nicht mehr behaupten.
Nun ist es so, dass das Genehmigungsverfahren für den Bau eines Hauses in Italien um einiges bürokratischer ablaufen als nördlich der Alpen. Ich weiss, klingt unvorstellbar, ist aber so. Dies hat natürlich seine Folgen, denn anstatt dass eben fast nichts gebaut würde, baut man einfach ohne eine Genehmigung. Anschliessend hofft man, dass der Schwarzbau so lange ungeahndet bleibt, bis er kurz vor den Wahlen nachträglich legalisiert wird. Quasi als Wahlwerbung, sozusagen. Fehlen einem dann die rechten Beziehungen, so wird die Fertigstellung des Rohbaus schlichtweg untersagt. Übrig bleibt ein Stahlbetonskelett dass vormals ein Einkaufszentrum werden sollte und nun als grauer Koloss und leidiger Vorgartenkulisse lustig vor sich hin rostet. (Sowas lässt sich auch nicht mal eben hinter Zitronenbäumchen verstecken)
Allerdings ist darauf, "die richtigen Leute" zu kennen auch nicht immer Verlass und so steht südlich von Carrara ein riesiger zehnstöckiger Rohbau direkt neben der Strasse. »Das steht hier schon 18 Jahre so rum und verdeckt die Sonne« sagt man mir. Damals gab es im Zuge der Fussball-Weltmeisterschaft massive Subventionen für den Bau von Hotels und die Mafia versuchte die Gelder durch solche Neubauten abzuzapfen. Nach einem überraschenden Wechsel in der regionalen Regierung stellte man fest, dass die nächste Sportstätte zu dem subventionierten Hotel ganze 150km entfernt lag und strich alle finanzielle Unterstützung für das Projekt. »Die Ruine ist zwar hässlich, aber sie ist ein grosser Erfolg im Kampf gegen die Camorra.« Aha, na super.
Der Beamte der Bauaufsicht, der die Gelder damals gestrichen hatte, starb übrigens kurz darauf... keines natürlichen Todes. Bella Italia!
Labels: Daily Engineering, Daily Travel


10 Comments:
Raue Sitten. Trotzdem ich hätte so eine kleines Maison oder Finca oder Casa irgendwie auch recht gerne.
mein opa hat damals in spanien eine finca ausgebaut. ich muss mal die bilder suchen und einscannen.
@Creezy, ich kann ja bei der Cosa Nostra mal ein gutes Wort für dich einlegen.
@Silli, zum Glück gabs hier nicht so viel zum umbauen...
Wir fahren seit 10 Jahren immer (*gähn)in den Pfingstferien nach Italien auf diese Landzunge gegenüber von Venedig und ich finde, dass sich da wahnsinnig viel verändert hat. Anfangs waren sehr viele alte Ruinen aus diesen ehemaligen Landwirtschaftsgenossenschaften zu sehen und in den letzten Jahren sind die fast alle zu Wohnungen oder Pensionen oder Ferienhäusern umgebaut worden. Vielleicht liegt es an der Region? LG
Nachdem sich in Italien in den letzten Jahren die Immobilienpreise so in etwa verdreifacht haben, boomten (besonders die subventionierten) Sanierungen von Rui.. äh Altbauten. Trotzdem, oder gerade deshalb finde ich es immer wieder total erstaunlich wieviel Gemäuer ohne Dach einem ab dem Brenner so begegnen.
Vielleicht fotografier ich mal ein paar am Donnerstag, wenn ich wieder runter fahren muss... Die Emilia Romana hat ja auch so einiges an losen Steinen zu bieten.
sno..die brauchen keine dächer, da scheint doch immer die sonne!
perché é la dolce vita! capiche? mama mia! non ti preocupare, é tutto a posto ;))
Deine Frettchenhalterin ;)
Ja, fast immer...
Rusticos kauft man nicht teuer in Italien, sondern zum Spottpreis in Montenegro oder Tunesien und gehört dann zur Lovcenfraktion oder zur Sidi-Bou-Said-Fraktion.
MfG che2001
@anonym:
solange du keinen büffelmozzarella in kampanien kaufst :D
@Che, ich bin ja schon bedient. Grundsätzlich würde ich aber eher dazu raten, in Landstrichen zu kaufen, denen irgendwann eine Europäisierung drohen kann.
Und Tunesien... das hat ja damals bei Hannibal schon nicht geklappt.
@Marie, ich hab natürlich einige mitgebracht. Und natürlich gegessen. Schmeckt man Dioxin eigentlich?
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