noS

Samstag, Februar 09, 2008

Daily Dive: Coron, Philippines

Im Gegensatz zur landläufigen Meinung von Nichttauchern, ist für mich das Angucken vieler bunter Fische nicht das wirklich tolle am Tauchen. Gut, bunte Fische sind schon nett und so, aber um die sehen zu können, braucht sich keiner durch einen Tauchkurs zu quälen. Bunte Fische gibt's täglich sogar bei mir zu Hause im Aquarium. Übrigens eine echt tolle Ersatzglotze (und sogar noch GEZ frei!). Na jedenfalls ist das wirklich richtig Spektakuläre unter Wasser für mich, das Eintauchen in fremde Welten. Und so was kann man beispielsweise sehr prima beim Wracktauchen.

Nun gibt es ja bei Wracks solche und solche, denn nicht jedes abgesoffene Schiff macht auch ein genialen Divespot. Neben der tauchbaren Tiefe auf der es sich befinden muss, macht ein unheimliches Wrack auch die natürliche Untergehursache aus. Immer wieder stösst man auf alte Kutter, die extra zum drauf rum tauchen in bequemer Nähe zur Tauchbasis auf Grund gesetzt werden.

Und genau so etwas wäre in der Bucht vor Coron um die Calamian Inseln extrem überflüssig, da es dort von original abgeschossenen und tauchbaren Wracks nur so wimmelt. Zu verdanken haben wir das Admiral William F. "Bull" Halsey, der am 24. September 1944 mit mehreren Kampfflugverbänden eine japanische Flotte von Versorgungsschiffen fast vollständig auf dem Meeresboden verteilte. So liegen allein acht riesige Stahlkolosse in angenehmen Tiefen zwischen 15 und 45 Metern in jeweils maximal einer Bootsstunde von der Hafenstadt Coron entfernt.

Oft ist an bekannten Wracks alles was nicht niet- und nagelfest war abgeschraubt worden. Entweder um sich den Vorgarten mit einem Bordgeschütz aufzuhübschen oder um den Stahl für sinnvolleres (z.B. Gartenzäune) wieder zu verwenden. Open Water Recycling sozusagen. Trotzdem findet man beispielsweise auf der Akitsushima noch ganz ordentliche Wummen und in der Olympia Maru kann man sogar noch den ein oder anderen Zementsack mit herauf holen, sofern man an 50 Jahre alten Betonblöcken Interesse hat. In jedem Schiff existieren zahlreiche Gänge und Schächte durch die man kreuz und quer durch den Rumpf gelangt und weshalb es auch ganz clever ist, den Tauchguide nicht aus den Augen zu lassen.

Als ich dem alten Heizkessel nämlich meine ganze Aufmerksamkeit schenke und mich wieder zu dem Guide umdrehe ist er verschwunden. Und das leider auch noch so geschickt, ohne etwas Schlamm aufzuwirbeln und mir damit ungewollt eine Spur zu hinterlassen. Das sind die Moment in denen ich es bedauere keinen eigenen Tauchcomputer dabei zu haben und ich mich schon selber sehe wie ich die Dekozeit herunter zähle und anhand des Ankerseils meine Tiefe bestimme. Ich suche eine Luke um auf die Oberseite des Rumpfes zu gelangen. Zumindest wäre dies ohne Schlamm aufwirbeln möglich gewesen und so hoffe ich meinen Buddy dort zu finden, doch ich bin allein im dunklen Blau des Wassers. Zumindest fast, wenn man die vielen bunten Fische nicht als Gesellschaft dazu zählen mag.



Einen guten Taucher zeichnet in solchen Situationen aus, dass er ruhig bleibt. Während ich beginne zu hyperventilieren versuche ich gegen meine Panik anzudenken. Hey, alles halb so wild - ich bin nirgends eingeklemmt, das Wrack ist nicht mit mir in die Tiefe gerutscht und die menschenfressende Riesenkrake hat offensichtlich diese Woche Betriebsferien. Und tatsächlich sehe ich in der Ferne ein paar Luftblasen aufsteigen, auf die ich sofort zu paddle. Direkt unter mir befindet sich mein Buddy, den ich anhand seiner Abluft, die sich durch kleine Spalten der Schiffshaut zwängt, lokalisieren kann. Wenige Minuten später sehe ich ihn unter mir aus dem seitlichen Bug kommen. Alles O.K. - mein Lieblingshandzeichen. (Das Folgende ist übrigens nicht das OK-Zeichen sondern signalisiert entweder »20 Bar für zwei Personen« oder »Mach mal ein Foto von mir für mein Facebook Profil«)



Vielleicht liegt es ja an mir, aber Schiffe in denen Menschen ums Leben gekommen sind, haben auf mich immer eine bedrohliche Ausstrahlung. Da können auf deren Oberseite noch so viele Hartkorallen wachsen und sich niedliche bunte Fische tummeln, das beklemmende Gefühl bleibt bis ich einmal durch den stählernen Bauch dieses nassen Grabes (als ob nicht Gräber generell nass sind) hindurch geschwommen bin. Und natürlich danach wieder heil zurück an die Oberfläche komme, denn das muss ich auch, oder wer sollte sonst daheim meine bunten Fische füttern?

Labels: ,

7 Comments:

Anonymous Anonym meint:

nice

2/10/2008 03:46:00 AM  
Anonymous Der Anzugträger meint:

Ich muss das ja als Taucher kritisch beleuchten. Ihr taucht in ein Wrack ohne Reel?

Also wenn das eine Fähre mit nem riesigen Autodeck ist, was an jeder Seite zig Löcher hat, dann ist das ja kein Problem. Bei Dir klingt das aber so, dass man nichts mehr gesehen hätte, wenn man die Lampe ausmacht?! Komischen Guide hattet Ihr da, dass dem nicht auffällt, dass Du fehlst ;)

2/10/2008 11:05:00 AM  
Anonymous Scholli meint:

Spannend! Ich hatte ein bisschen Sympathie-Hyperventilation...
Übrigens liegt die USS Lexington als 'Museum on the Bay' in Chorpus Christi vor Anker und ist wirklich einen Besuch wert. Neben den Steaks und dem Öl natürlich ;)

2/10/2008 11:49:00 AM  
Blogger Dr Sno* meint:

@Anzugträger, wenn ich ohne Guide unterwegs gewesen wäre, dann hätte ich natürlich ein Reel dabei habt. Und dass ich fehle war ziemlich offensichtlich, da die Gruppe ja nur aus mir und ihm bestand. Ich meine - sowas fällt doch auf! :) Er meinte danach "No problems, you always see my bubbles" - Ah ja, ok...

@Scholli, da bin ich sofort dabei!

2/10/2008 12:23:00 PM  
Anonymous Scholli meint:

Genau, und direkt nebenan im State Aquarium kann man auch bunte Fische angucken, falls die unbedingt dabei sein müssen!

2/10/2008 01:06:00 PM  
Anonymous dolcevita meint:

ah, sehr schön, hast mich inspiriert, habe auch etwas über einen Tauchgang mit Hyperventilation geschrieben :-) LG

2/10/2008 06:24:00 PM  
Blogger creezy meint:

Och, das war so ein schönes Post, Herr doc – jetzt habe ich fast doch wieder Lust bekommen. Andererseits waren wir ja jetzt dabei irgendwie.

2/11/2008 07:21:00 PM  

Kommentar veröffentlichen

<< Home