Risse im Vorhof der Hölle
Eben gerade war es wirklich wieder einmal sehr skurril, denn das zu begutachtende Objekt war eine heruntergekommene Pension im Münchner Norden, in der man wirklich ganz ganz
Es begrüsst mich ein Mieter mit schwarzem Nagelstreifenanzug und einer pinken Krawatte bei der die Fliegen Tod von der Wand fallen. Die Hose hat er bequem bis unter seine Achseln hochgezogen, was wohl auch daran liegen mag, dass ihm das gute Stück schlichtweg geschätzte fünf Nummern zu groß ist. Zusammen geht's in seine
Im Heizungskeller dann die nächste Überraschung: Auf zirka sieben Quadratmetern treffe ich auf eine weissrussische Kleinfamilie. Zu viert scheint man sich hier nicht daran zu stören, dass es sich eigentlich gar nicht um einen echten Wohnraum handelt, vielmehr beschäftigt es einen, dass die Glotze an die Decke gedübelt werden musste, da in dem Raum schlichtweg für Möbel gar kein Platz mehr ist. »Du sollte sehen, wenn Besuch ist da aus Heimat!« Danke, aber DAS will ich mir nicht einmal nur vorstellen.
Als nächstes treffe ich einen waschechten Messi. In seiner wirklich grossen Wohnung ist der ganze Boden mit Müll übersät. Überall turnen Katzen durch die Räume, die hier und da lustig in die Ecken scheissen. Kein Wunder, denn hinter einer Ecke entdecke ich das Katzenklo, dass vermutlich zuletzt in den 80ern geleert wurde. »Wissen Sie, ich bin Elektriker und arbeite viel.« teilt er mir mit, als ich zwischen Katzenkacke und Sperrmüll durch das Wohnzimmer balanciere. »Meine Freundin ist auch berufstätig, wir kommen selten zum aufräumen« Selten?!? Ich muss wohl scheinbar einen Gesichtsausdruck gemacht haben, der so etwas wie »Wie zum Teufel kann man hier nur wohnen?« vermittelt, denn nun klärt er mich darüber auf, dass er hier ja auch noch eine supergrosse Terrasse habe. Ein Glück dass er das erwähnt hat, denn ich hätte allen Ernstes hinter dieser Müllhalde aus Erde, zerschlagenen Blumenkübeln und Stahlrohren keine Terrasse vermutet. Arme Katzen, denke ich mir als ich wieder in die angenehme Leere des Hausflures trete, obwohl auch jeder Mensch der da drin hausen muss zu bemitleiden wäre.
Zuletzt öffnet mir ein Typ mit nacktem Oberkörper und offener Hose (aber glücklicherweise mit Unterhose) die Tür. »Äh, komm ich ungelegen?« frage ich und schlage ihm vor später nochmal wieder zu kommen, aber er besteht darauf dass ich rein komme »damit das schnell vorbei ist«. Aha, na gut. Ich nehme die Risse auf und gehe mit gemischten Gefühlen durch die Räume, schliesslich stiefelt mir die ganze Zeit der Mieter mit Hosen auf Halbmast hinterher. Im letzten Raum steht nur ein grosser Tisch mit Computer und laufendem Monitor der von mir abgewandt ist. Dahinter befindet sich ein wuchtiger Chefsessel auf dem einige Blätter Klopapier liegen und ein Fenster an dem ich einen Riss erspähe. Als ich auf das Fenster zugehe, stellt sich mir der Halbnackte in den Weg. Ich überlege kurz, ob es das Foto von diesem Riss wert ist, eine mögliche peinliche Szene in Kauf zu nehmen. »An jedem anderen Tag vielleicht« denke ich mir, drehe auf den Haken um und verlasse die Wohnung und bin froh wieder draussen in der Kälte stehen zu dürfen.











