»So ein Glück, ich muss nicht fahren«, denke ich mir, als ich da auf den Beifahrersitz des Mietwagens klettere. Ich schiebe den Sitz in die extreme Wohlfühlposition ganz nach hinten und stelle nach verlassen der Parkposition die Rückenlehne auf Schlafstellung.Hach, so mag ich Autofahren! Kein Karten lesen sich vom Navigationssystem verarschen lassen, kein Stress. »Ring di ding di Ring ding ding!« Hmm, kann definitiv nicht mein Telefon sein, also gucke ich mal nach links und sehe meinen Fahrer verzweifelt sein Mobiltelefon zuerst suchen, und dann, begleitet von Schweissausbrüchen, aus der Hosentasche zupfen. Etliche unkontrollierte Lenkausschläge später hat er dank beachtlicher Beckenbodengymnastik sein Telefon dann schliesslich an seinem Ohr. »Oh ja, hallo Schatziii. Ja, tut mir leid. Ich fahr grad hier.«Ich bin mir noch unschlüssig, ob ich nun meinen telefonierenden Fahrer oder die schreiend aus dem Weg springenden Passanten verdutzt ansehen soll.
»Ja Schatzi, ich hab dich heut schon zweimal versucht anzuru..«Nachdem der Versuch bei zwischen Kopf und Schulter eingeklemmten Telefon den Gang zu schalten scheitert, entscheide ich mich für den Blick auf die springenden Passanten.
»Oh, ja, stimmt. Ich hatte ganz vergessen, dass du ja vormittags nicht zu erreichen bist. Tut mir leid.«Eine rote Ampel verschafft dem Telefonat eine kleine Ruhepause und rettet vermutlich ein paar unschuldigen Fussgängern das Leben.
»Ruf doch Jan an, dann bringt er das vorbei... Ok, ja gerne, ich ruf ihn schon an und klär das für dich. Mach ich gerne...«Die Ampel schaltet auf grün und unter einem Knirschen wird der Gang eingelegt. Wir machen einen kurzen Satz dann stehen wir wieder. »Abgesoffen?« frage ich in sein verzweifeltes Gesicht.
»Du Schatzi, ich steh hier mitten im Verkehr und...«
Er wird sichtlich hektischer. Die Sonnenbrille fällt in den Fussraum, was er während seines mehrmaligen nach hinten Umdrehens gar nicht bemerkt. Jetzt besser Ruhe bewahren. Ich versuche ihn zu beschwichtigen: »Ach hinter uns steht nur ne Oma mit ihrer Ente. Die hat geschätzte fünf Minuten Reaktionszeit bis die los fährt.« Er dreht den Zündschlüssel, der Wagen springt mit einem bedrohlichen Brummen wieder an.
»Nein wirklich Schatzi, ich kann jetzt...«Knartz und nach einem weiteren halben Meter ist die nagelneue Karre wieder abgesoffen. Mittlerweile hat selbst die Oma hinter uns entdeckt, dass die Ampel auf grün steht und beginnt uns quäkend anzuhupen.
»Hörst du? Ich muss jetzt kurz auflegen. Ja, ich ruf dich sofort wieder zurück...«Er betätigt die Zündung, tritt die Kupplung. Im Fussraum knirscht die Sonnenbrille und widererwartend schaffen wir es über die Kreuzung während die Ampel für die Ente hinter uns wieder auf rot umschaltet.
Das mittlerweilen ununterbrochene Hupen der Ente verstummt langsam in der Entfernung und nachdem er sich wieder so einigermaßen gefasst hat dreht er sich zu mir:
»Weisst du, mit einem Diesel bin ich vorher noch nie gefahren...«