Nicht ohne mein Handtuch
Nimmt man sich die Zeit und Mühe durch das Jemma Valley in der äthiopischen Region Merhabete zu fahren, dann fallen einem die Farben Lila und Dunkelgrün auf, die als Tuch hier überall getragen werden. Frei nach Douglas Adams reist hier also niemand ohne Shash oder Gabi als direktes Pendant zu einem unserer Handtücher. Und natürlich geht dessen Funktion weit über blosses Abtrocknen hinaus: Es dient zu dem offensichtlichen Nutzen als Tragetasche, Kindersitz, Kopfbedeckung und zur Not auch noch als Kuhpeitsche.

Im Grunde genommen also DAS perfekte Mitbringsel schlechthin. Genau dieser Gedanke kam mir als wir gerade das Projektbüro in Alem Katema in Richtung Addis Ababa verlassen wollten. Damit ich also so ein Shash erstehen konnte, bat Martin den Fahrer sofort umzudrehen, da die Handtuchschals morgen überall auf dem Markt hier zu kaufen seien. Man könnte mir dann einen besorgen und ihn einem Fahrzeug, dass nach Addis gehen würde einfach mitgeben. Nur stellten wir zurück im Projektbüro fest, dass es keinen geplanten Transport in den nächsten sieben Tagen geben würde. Ein echt abgelegener Winkel hier eben.
Doch Martin wollte so schnell nicht aufgeben: "Hier laufen ja genug damit herum. Dann kaufen wir denen einfach einen ab!" Und so fuhren wir rauf an die Hauptstrasse (wobei hier im Grunde nicht einmal der Ausdruck "Strasse" gerechtfertig gewesen wäre) und hielten nach einem Träger eines möglichst neuen, schönen Shashs Ausschau. Der Erste war von uns so erschrocken, dass er unser Angebot gar nicht erst anhörte, sondern nahm, sofort als er uns auf sich zukommen sah, die Beine in die Hand und flüchtete ins nächst gelegene Haus. Der Zweite winkte nur lächelnd ab: er verkaufe nichts was er gerade selbst am Leibe trägt; egal was man ihm auch dafür anbieten würden. Tja, die Tatsache, dass man hier zwar weder Strom noch fliessendes Wasser hat, bedeutet eben nicht, dass man nicht so seine Prinzipien hat.
Nachdem er aber mein, und vor allem Martins enttäuschtes Gesicht sah, packte ihn Mitleid und er erbarmte sich uns seine geheime Handtuschschalquelle zu nennen: Ein Händler, der auch ausserhalb der marktzeiten seinen Laden geöffnet hat. Also nichts wie hin. In einer Seitenstrasse des leeren Marktes von Alem Katema finden wir den guten Mann, der zu Martins Entsetzen keine Shashs mehr in seinem Laden (vier Holzstangen mit einem Wellblechdach darüber) hatte. Aber nach längerem guten zureden von Martin, sprintete er los um ein paar für mich aus seinem Lager zu holen.

Die anderen nutzen derweil die Gelegenheit in der Bar an der Ecke (mit ähnlicher Bauweise wie der Laden) ein bis zwei Bier trinken zu gehen. ich stehe mit Adugna (einem äthiopischen Architekten) im Matsch vor demSchuppen Laden und bin umringt von etwa zwanzig Kindern, die mich ungefähr so ansehen, wie ich einen Ausserirdischen angucken würde, der gerade vom Mars direkt in meinem Vorgarten gelandet wäre. Nachdem ich jedes Kind und dessen gesamten Englischwortschatz der Reihe nach kennen gelernt habe, kommt auch schon der Händler zurück und präsentiert mir seine Ware.
Um einen besseren Preis zu bekommen, kaufe ich gleich mal zwei verschiedene "You want four??" fragt mich Adugna, denn die Shashs sind so gewebt, dass immer zwei zusammen gewoben sind und anschliessend wieder mit einer Schere getrennt werden müssen. 160 Birr für vier Stück, die allerdings noch an den Enden verknotet werden müssen, was, mal gelinde gesagt, bereits allein bei einem einzelnen Schal eine echte Sauarbeit ist. Aber was soll's, zumindest ist Martin jetzt froh, dass ich froh bin...

Im Grunde genommen also DAS perfekte Mitbringsel schlechthin. Genau dieser Gedanke kam mir als wir gerade das Projektbüro in Alem Katema in Richtung Addis Ababa verlassen wollten. Damit ich also so ein Shash erstehen konnte, bat Martin den Fahrer sofort umzudrehen, da die Handtuchschals morgen überall auf dem Markt hier zu kaufen seien. Man könnte mir dann einen besorgen und ihn einem Fahrzeug, dass nach Addis gehen würde einfach mitgeben. Nur stellten wir zurück im Projektbüro fest, dass es keinen geplanten Transport in den nächsten sieben Tagen geben würde. Ein echt abgelegener Winkel hier eben.
Doch Martin wollte so schnell nicht aufgeben: "Hier laufen ja genug damit herum. Dann kaufen wir denen einfach einen ab!" Und so fuhren wir rauf an die Hauptstrasse (wobei hier im Grunde nicht einmal der Ausdruck "Strasse" gerechtfertig gewesen wäre) und hielten nach einem Träger eines möglichst neuen, schönen Shashs Ausschau. Der Erste war von uns so erschrocken, dass er unser Angebot gar nicht erst anhörte, sondern nahm, sofort als er uns auf sich zukommen sah, die Beine in die Hand und flüchtete ins nächst gelegene Haus. Der Zweite winkte nur lächelnd ab: er verkaufe nichts was er gerade selbst am Leibe trägt; egal was man ihm auch dafür anbieten würden. Tja, die Tatsache, dass man hier zwar weder Strom noch fliessendes Wasser hat, bedeutet eben nicht, dass man nicht so seine Prinzipien hat.
Nachdem er aber mein, und vor allem Martins enttäuschtes Gesicht sah, packte ihn Mitleid und er erbarmte sich uns seine geheime Handtuschschalquelle zu nennen: Ein Händler, der auch ausserhalb der marktzeiten seinen Laden geöffnet hat. Also nichts wie hin. In einer Seitenstrasse des leeren Marktes von Alem Katema finden wir den guten Mann, der zu Martins Entsetzen keine Shashs mehr in seinem Laden (vier Holzstangen mit einem Wellblechdach darüber) hatte. Aber nach längerem guten zureden von Martin, sprintete er los um ein paar für mich aus seinem Lager zu holen.

Die anderen nutzen derweil die Gelegenheit in der Bar an der Ecke (mit ähnlicher Bauweise wie der Laden) ein bis zwei Bier trinken zu gehen. ich stehe mit Adugna (einem äthiopischen Architekten) im Matsch vor dem
Um einen besseren Preis zu bekommen, kaufe ich gleich mal zwei verschiedene "You want four??" fragt mich Adugna, denn die Shashs sind so gewebt, dass immer zwei zusammen gewoben sind und anschliessend wieder mit einer Schere getrennt werden müssen. 160 Birr für vier Stück, die allerdings noch an den Enden verknotet werden müssen, was, mal gelinde gesagt, bereits allein bei einem einzelnen Schal eine echte Sauarbeit ist. Aber was soll's, zumindest ist Martin jetzt froh, dass ich froh bin...
Labels: Daily Travel


11 Comments:
das ist nicht fair - wie viel Euro sind 150 Birr?
Solche Mitbringsel sind immer besonders, denn die Geschichte des Erstehens sind einfach unvergeßlich...
Die ichwürdeknotenhelfenwennichdemnächstinMbin Besucherin
@ dolcevita das gleiche wollte ich auch gerade fragen *g*
@ sno irgendwie beneide ich dich gerade um deinen job... aber nur just at the moment, ne^^
Genau - der Wechselkurs-bedingte Preis wäre doch jetzt interessant!
Vielleicht entdeckst Du auch noch ne Marktlücke für diese "Allzwecktücher". Bei den "Arafat"-Schals hat es ja tierisch eingeschlagen damals... Also: Exportieren!
Sehr anschaulich, Deine Berichte! Wenn das Büro mal nicht läuft, kannst Du also immer noch auf das Schreiben von "Lonely Planet"-Reiseführern umsatteln :-)
Ich will auch so ein Handtuch, hört sich super praktisch an!
Kinders, Ihr sitzt am Rechner mit Internetanschluss sitzt und kommt nicht auf die Idee nach einem Währungsrechner zu googeln?
1 Äthiopischer Birr = 0.08213 Euro
130 Äthiopischer Birr = 10.67711 Euro
@dr. sno*
Bin jetzt froh, dass Ihr froh seid! Bitte mit dem Teil vor Ort in Aktion üben. Und dass Du mit der Matte bei den Leute da als Außerirdischer durch gehst, glaube ich unbesehen!
@creezy - für die Matte hat er ja jetzt ein Tuch *g
Ich finde es wie du weisst ja schon wahnsinn was du da machst, aber jetzt noch den blog der intention hinzugeben, den er für dich eingehens hatte. Ich würde sagen jetzt bist du im Himmel, und noch dazu ein Engel.
Wär gern bei Dir
lieber dr. sno*, hätten sie doch mal gesagt, dass sie mit solchen fabelhaften projekten arbeiten, hätten wir in nullkommanichts eine gemeinsamkeit gefunden. für welche organisation sind sie unterwegs?
Juchuu! Endlich keine Internetzensur mehr. Seit ich hier im Jemen bin, kann ich endlich mal wieder meinen eigenen Blog lesen (und die ganzen Rechtschreibfehler zaehlen!) und natuerlich wieder mal den Kommentaren antworten:
@dolcevita: staatlich festgelegte 12,3 Birr gabt es fuer einen Euro... aber taeglich werden es mehr.
@besucherin: die notwendigsten Knoten hab ich schon gemacht - hat mich ne glatte Stunde gekostet. (sieht zwar jetzt komisch aus, aber wenigstens koennen die Dinger nicht kaputt gehen)
@Steuertusse: Dann erwaehne ich jetzt besser nicht den tollen Bunn (jemenitischer Kaffee) auf der Dachterrasse des 300 Jahre alten Hauses mit einem atemberaubenden Blick auf die Altstadt von Sana'a...
@makku: Menschen fuer Menschen verkauft die (das weiss ich jetzt, nachdem ich mir die Dinger etwas umstaendlich besorgt habe) auf dem Muenchner Tollwood.
@cohu: genau das habe ich mir auch gedacht, da der LP mein Hotel hier irgendwo an den Rand der Altstadt in der Karte eingezeichnet hat, obwohl es quasi direkt im Zentrum liegt.
@creezy, die Matte habe ich ja immer unter meiner Baseballmuetze versteckt - ansonsten denkt hier noch einer ich waer Britney Spears oder so (obwohl - kennt hier sowieso auch niemand)
@Roman, Red Bull hilft in Babile Aethiopien ja sehr kraeftig mit - da lohnt es sich schon wieder statt Pepsi und Cola dann doch die fluessigen Gummibaerchen zu schluerfen...
@bittersweet choc, ich arbeite hier unten fuer MENSCHEN FUER MENSCHEN. Eine der sinnvollsten Entwicklungshilfen meiner Meinung, da man im Grunde nur mit Bildung (im eigenen Land) etwas wirklich Richtiges tun kann. Ich habe aber auch ein paar Projekte der GTZ besucht. Die bauen hier unten ja auch noch 18 Universitaeten...
sehr spannend! ich bin für plan in hamburg am start, aber leider nicht im field unterwegs. und richtig: bildung, bildung, bildung.
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