Die Schrecksekunde
Der Landrover quietscht als er sich in die Kurve der engen Passstrasse legt und es uns seitlich in die Sitze drückt. Ich halte mich am seitlichen Rand der Türe fest und blicke hinab in die tiefe Schlucht unter mir. Es hatte ewig gedauert bis wir gestern dann doch die Erlaubnis bekamen die Hauptstadt verlassen zu können. Die Behörden hatten nach dem Anschlag letzte Woche in Ma'rib einfach schlichtweg blanke Angst, dass an die Stelle der gefürchteten, jedoch seit etwa zehn Jahren rückläufigen, stammesbedingten Entführungen, nun Terroranschläge mit islamistischem Hintergrund treten. Zwei Tage wanderten wir im Innenministerium von Pontius zu Pilatus, nur um endlich die schriftliche Bestätigung zu bekommen, ein paar militärischer Checkpoints zu passieren und die nähere Umgebung von Sana'a erkunden zu können.
Nun ist der letzte Checkpoint bereits ein paar Stunden entfernt. Auf der Strasse vom roten Meer kommend, kämpfen sich einige schwer beladene Lastwägen vor uns den Berg hinauf und verlangsamen unser Fortkommen. Ich denke an gestern Abend, als wir auf eine Mitarbeiterin des spanischen Reiseveranstalters trafen, dessen Kunden am 2. Juli bei einem Selbstmordattentat ums Leben kamen. »Ganz haarscharf und ich wäre dabei gewesen« waren ihre Worte, als wir sie nach den genauen Umständen des Attentats befragten.
Haarscharf. Man weiss es eben nie. Gedankenversunken streift mein Blick über die Khat-felder zu den Bergspitzen am Horizont. Wir hätten auch Glück gehabt, hatte sie gemeint. Schliesslich lasse man zur Zeit Ausländer fast nur noch mit Militäreskorte aus Sana'a heraus. Das Mindeste wäre ein Jeep mit aufgesetztem großkalibriegen Maschinengewehr gewesen, welches uns nicht nur zu auffälligen Zielscheiben gemacht hätte, sondern natürlich auch von uns bezahlt werden hätte müssen.
Woher soll also jemand ohne Eskorte mitkriegen, dass hier ein potentielles politisches Ziel unterwegs ist? Eben. Die paar Wolken, die uns die steile Bergflanke bis hinauf zur Hochebene begleitet haben, lösen sich über der Steinwüste in Luft auf. Immer wieder stehen Männer am Strassenrand. Warten darauf von einem Bus mitgenommen zu werden oder an Vorbeifahrende etwas frisches Khat zu verkaufen. Die Mitarbeiterin des spanischen Reiseveranstalters konnte mir gestern auch nicht mehr dazu sagen, wie dieses Attentat nun abgelaufen sei. Ob wärend der Fahrt neben dem Auto eine Bombe gezündet worden sei oder ob es geknallt hat als der Wagen geparkt war.
Ich frage mich solch alberne Dinge wie beispielsweise, wie das wohl aussieht, wenn man in das Rohr eines Raketenwerfers blickt, aus dessen Mündung ein Geschoss auf einen zufliegt. Der Landrover wird langsamer, die Strasse steigt ein letztes mal kurz steil an um hinter der Kurve in die Ebene zu gelangen. Am Seitenrand steht ein Mann, mit dem hier typischen Dolch, dem Djambia. Er hat zudem zwei Patronengürtel umgehangen, die es hier auf jedem Markt zu kaufen gibt. Er trägt sie unter seinem dunklen Sacko und als wir an ihm vorbei fahren, treffen sich unsere Blicke. Für eine kurze Sekunde vielleicht sieht er mich an. Ich bekomme das Gefühl als wolle er mir etwas sagen. Mir etwas zurufen. Dann verschwindet der Mann aus meinem Blickfeld. Ich drehe den Kopf um ihn ihm Rückspiegel zu sehen, da zerreisst ein ohrenbetäubender Knall das leise Brummen des Dieselmotors.
Ein Schuss?!? Der Fahrer neben mir zuckt zusammen. Insitinktiv ducke ich mich in den Fussraum vor mir. Mein Herz rast. Der Wagen rollt wenige Meter langsam aus und bleibt stehen. Stille. Ich hebe vorsichtig den Kopf »Alles klar bei euch? Alle heil?«. Ich sehe mich um. Keine Einschusslöcher, keine Splitter. Von hinten, sehen ich den Fremden von der Strasse zu uns heran laufen. Er greift ins Fenster und sagt: »It seems you have a puncture. Do you need any help?«

Nun ist der letzte Checkpoint bereits ein paar Stunden entfernt. Auf der Strasse vom roten Meer kommend, kämpfen sich einige schwer beladene Lastwägen vor uns den Berg hinauf und verlangsamen unser Fortkommen. Ich denke an gestern Abend, als wir auf eine Mitarbeiterin des spanischen Reiseveranstalters trafen, dessen Kunden am 2. Juli bei einem Selbstmordattentat ums Leben kamen. »Ganz haarscharf und ich wäre dabei gewesen« waren ihre Worte, als wir sie nach den genauen Umständen des Attentats befragten.
Haarscharf. Man weiss es eben nie. Gedankenversunken streift mein Blick über die Khat-felder zu den Bergspitzen am Horizont. Wir hätten auch Glück gehabt, hatte sie gemeint. Schliesslich lasse man zur Zeit Ausländer fast nur noch mit Militäreskorte aus Sana'a heraus. Das Mindeste wäre ein Jeep mit aufgesetztem großkalibriegen Maschinengewehr gewesen, welches uns nicht nur zu auffälligen Zielscheiben gemacht hätte, sondern natürlich auch von uns bezahlt werden hätte müssen.
Woher soll also jemand ohne Eskorte mitkriegen, dass hier ein potentielles politisches Ziel unterwegs ist? Eben. Die paar Wolken, die uns die steile Bergflanke bis hinauf zur Hochebene begleitet haben, lösen sich über der Steinwüste in Luft auf. Immer wieder stehen Männer am Strassenrand. Warten darauf von einem Bus mitgenommen zu werden oder an Vorbeifahrende etwas frisches Khat zu verkaufen. Die Mitarbeiterin des spanischen Reiseveranstalters konnte mir gestern auch nicht mehr dazu sagen, wie dieses Attentat nun abgelaufen sei. Ob wärend der Fahrt neben dem Auto eine Bombe gezündet worden sei oder ob es geknallt hat als der Wagen geparkt war.
Ich frage mich solch alberne Dinge wie beispielsweise, wie das wohl aussieht, wenn man in das Rohr eines Raketenwerfers blickt, aus dessen Mündung ein Geschoss auf einen zufliegt. Der Landrover wird langsamer, die Strasse steigt ein letztes mal kurz steil an um hinter der Kurve in die Ebene zu gelangen. Am Seitenrand steht ein Mann, mit dem hier typischen Dolch, dem Djambia. Er hat zudem zwei Patronengürtel umgehangen, die es hier auf jedem Markt zu kaufen gibt. Er trägt sie unter seinem dunklen Sacko und als wir an ihm vorbei fahren, treffen sich unsere Blicke. Für eine kurze Sekunde vielleicht sieht er mich an. Ich bekomme das Gefühl als wolle er mir etwas sagen. Mir etwas zurufen. Dann verschwindet der Mann aus meinem Blickfeld. Ich drehe den Kopf um ihn ihm Rückspiegel zu sehen, da zerreisst ein ohrenbetäubender Knall das leise Brummen des Dieselmotors.
Ein Schuss?!? Der Fahrer neben mir zuckt zusammen. Insitinktiv ducke ich mich in den Fussraum vor mir. Mein Herz rast. Der Wagen rollt wenige Meter langsam aus und bleibt stehen. Stille. Ich hebe vorsichtig den Kopf »Alles klar bei euch? Alle heil?«. Ich sehe mich um. Keine Einschusslöcher, keine Splitter. Von hinten, sehen ich den Fremden von der Strasse zu uns heran laufen. Er greift ins Fenster und sagt: »It seems you have a puncture. Do you need any help?«

Labels: Daily Travel


4 Comments:
oh, mein herz wollte auch erst ganz ganz ganz kurz anfangen zu rasen.
aber du hast heute nicht gründlich gearbeitet, denn du hast bei dem wort khat nicht auf den beitrag vom deinem selbstversuch verlinkt. ;)
stimmt, ist viel zu lang um den gemütlich zu lesen^^
oh mann - da rutscht einem ja das herz in die hose
ich glaube mir wäre was anderes in die Hose gerutscht - ehrlich, das war doch ein traumatisches Erlebnis, oder? Wie geht es dir denn jetzt damit, hast du Albträume?
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