Das hat bestimmt schon jeder mal erlebt: Man ist zu spät dran für einen Termin. Hat es eilig. Braucht noch irgendetwas. Und das ganz dringend. Nur um total ausser Atem festzustellen, dass sämtliche pensionierte Menschen im Umkreis gerade zur Hauptgeschäftszeit beschlossen haben, dass sie dieses irgendwas eben auch brauchen.
Was bleibt einem also übrig als der rüstigen alten Dame Vortritt zu lassen und ihr zähneknirschend beim langen Plausch mit dem Herrn am Schalter zuzusehen.
»Als ob die nicht zu einer anderen Zeit einkaufen gehen können! Nein, genau jetzt wo alle Berufstätigen gerade mal ein paar Minuten Zeit haben. Na klar!!«
Heute war ich spät dran. Ein geschäftlicher Termin wartete bereits auf mich als ich über die natürlich rote Ampel hetzte um vorher noch schnell an den Geldautomaten zu kommen. Ich bog um die Ecke und stand plötzlich vor einer dieser rüstigen Rentnerinnen. Zwischen uns der Geldautomat. Das Objekt der Begierde. Anspannung. High noon. Jeder schien auf den Zug des Gegenüber zu warten.
Ich knickte als Erster ein. »Bitte!« sagte ich mit einer höflichen Geste und es war mir schon klar, dass sie vermutlich allein zehn Minuten damit verbringen würde ihre EC-Karte zu suchen.
»Aber nein, machen sie ruhig. Ich hab ja sicher mehr Zeit als Sie.« entgegnete sie mir darauf.
Ich schätze mal, ich habe daraufhin ein ziemlich verdutztes Gesicht gemacht, sonst hätte sie vermutlich nicht noch ergänzend hinzugefügt: »...also heute! Heute habe ich mehr Zeit, meine ich.«