Gips mir!
Normalerweise mache ich das ja nicht selbst. Normalerweise lasse ich machen. Und zwar Gipsmarken. Ich stehe dann da und dirigiere ein paar Leute vor einer Wand mit Rissen auf und ab und komponiere ein kleines Muster aus weissen Flecken, welches später der Bauwerksdiagnostik dienen soll.
Normalerweise sind einstürzende Altbauten ja auch eher selten. Aber dieses Bürgerhaus aus dem jahre 1901 ist nun schon mein dritter Fall innerhalb eines Jahres an dem ich als almost innocent bystander mit vor Ort bin.
Die Stimmung ist diesmal auch nicht so lustig. Der alte Kurde mit dicker Hornbrille, dem der kleine Laden mit den Anzügen aus den 60er Jahren im Erdgeschoss gehört, hält mich seit zwanzig Minuten am Ärmel fest und will mich nicht los lassen. Der Gute hat Angst. Angst dass ihm die Decke auf den Kopf fallen könnte. Und hat dabei leider gar nicht mal so unrecht.
Normalerweise ist ja in solchen Fällen immer eine Baufirma vor Ort, die ich dann mit dem Setzen der Gipsmarken beauftrage. Normalerweise hat es auch noch Zeit bis Montag.
Aber die Zeit hat der alte Kurde nicht. Die Zeit hat nicht einmal der arbeitslose Lastwagenfahrer aus dem ersten Stock, der sogar in total betäubtem Zustand seines Dauerdeliriums die Risse, die an den Wänden um ihn entlangwachsen, erschrocken wahrnimmt.
Und so rühre ich den Gips an und schwinge hier die Kelle und bin das erste mal wirklich dankbar über mein Baupraktikum. Und wer weiss? Vielleicht gips Montag ja schon Entwarnung...
Normalerweise sind einstürzende Altbauten ja auch eher selten. Aber dieses Bürgerhaus aus dem jahre 1901 ist nun schon mein dritter Fall innerhalb eines Jahres an dem ich als almost innocent bystander mit vor Ort bin.
Die Stimmung ist diesmal auch nicht so lustig. Der alte Kurde mit dicker Hornbrille, dem der kleine Laden mit den Anzügen aus den 60er Jahren im Erdgeschoss gehört, hält mich seit zwanzig Minuten am Ärmel fest und will mich nicht los lassen. Der Gute hat Angst. Angst dass ihm die Decke auf den Kopf fallen könnte. Und hat dabei leider gar nicht mal so unrecht.
Normalerweise ist ja in solchen Fällen immer eine Baufirma vor Ort, die ich dann mit dem Setzen der Gipsmarken beauftrage. Normalerweise hat es auch noch Zeit bis Montag.
Aber die Zeit hat der alte Kurde nicht. Die Zeit hat nicht einmal der arbeitslose Lastwagenfahrer aus dem ersten Stock, der sogar in total betäubtem Zustand seines Dauerdeliriums die Risse, die an den Wänden um ihn entlangwachsen, erschrocken wahrnimmt.
Und so rühre ich den Gips an und schwinge hier die Kelle und bin das erste mal wirklich dankbar über mein Baupraktikum. Und wer weiss? Vielleicht gips Montag ja schon Entwarnung...


12 Comments:
mal eine frage: wenn in holzhäusern bedingt durch unterschiedliche witterungsbedingungen das holz zu wandern beginnt und die fugen breiter werden, nimmt man dann silikon oder gibt es etwas besseres, um die räume in diesen fällen wieder schalldicht zu bekommen?
einstürzende Altbauten... was das nicht eher immer unser Thema im Osten?! ;-) was´n da los bei Euch??
@chris: zum Dämmen von Luftschall im Sinne des Schallschutzes hilft nur Masse (kg/m²). Aber Fugen abdichten? Habt ihr da Löcher in euer Blockhütte zum Nachbarn rüber?
@kerstin: Naja, im Osten ist ja eher abzureissende Neubauten angesagt... Struktureller Rückbau der Anlageobjekte der 90er Jahre. Allerdings bist du da im schicken Rügen ja save ;o)
@dr sno*: neues passivholzhaus mit z.T. ein wenig auseinandergewanderten fugen, nicht tragisch, aber dennoch hinderlich bei einer anstehenden schalluntersuchung, ich hab erstmal begonnen, das mit silikon abzudichten (nervige arbeit!); deinen vorschlag verstehe ich nur selektiv, wie könnte man denn da konkret vorgehen, statt silikon also ganz normale eklige gelbe schallschutzdämmung davor blenden, aber das sähe ja ganz schön merkwürdig aus. cool wäre es, wenn es ein spray gäbe, das alles wieder in den ausgangszustand zurückwandern ließe. ;-) aber ich seh schon, da muss ich wohl auch noch an die anderen fugen mit diesem klebrigen silikon ran
ergänzung: die auseinandergewanderten fugen sind alle in dem winkel, in dem wand an decke trifft.
ich will auch eine gipsmarke! was auch immer das ist...
Mei Nilz, genau deinetwegen habe ich doch extra einen Wiki-Eintrag über Jippsmaken geschrieben!
@chris: Um den Schalldruck aufzufangen benötigt man rein physikalisch möglichst viel Masse pro Fläche, da ist eine Silikon verfüllte Fuge ja nicht wirklich der Hit. Besser als eine Öffnung ist sie allerdings schon. Eine Entkopplung mit davor gestellter Gipskartonwand sieht eben merkwürdig aus. Nach der immer wieder lustigen DIN4109 müsste man sogar noch viel mehr differenzieren: Was sind die Emissionen? Gibt es flankierende Bauteile? Wie ist der momentane Aufbau? etc.
Die Frage dabei ist dann eher: Will/muss man das machen?
@dr sno*: bei einem holzhaus gibt es halt leider nicht so viel Masse wie bei einem herkömmlich gebauten Haus, wobei die Masse ja auch mehr (berichtige mich, wenn ich falsch liege) für den Körperschall und nicht für den Luftschall relevant ist? Speziell ging es dabei um die hohen Frequenzen und das ist seit der Silikonaktion auch schon etwas besser geworden.
@chris: Die Masse zur Schalltrennung benötigt man zur Dämmung von Luftschall. Für Körperschall sind Bauteiltrennungen oder der Anschluss von Bauteilen mit unterschiedlicher Steifigkeit relevant.
Bei einem Holzhaus wird die Schalldämmung z.B. durch eingefüllte Perlite erreicht. Oder man entkoppelt. Aber wie gesagt: Silikon ist besser als gar nix.
@ chris: du brauchst nicht den rat eines fastprofessors für statik. du musst nur mal wieder dein hörgerät ein bischen leiser stellen.
hihi.
@dr sno*: thanks für die info!
@nilzenburger: thanks für den Tipp, jetzt piepst es auch nicht mehr!
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